Mainzer Unternehmen für "Comeback des Jahres" ausgezeichnet
Schokoriegel und Getränke zum Selbstbedienen, täglich frisches Obst und zur Entspannung eine Partie Billard - durch das Bürogebäude am Mainzer Kisselberg weht ein Hauch von New Economy. Dabei war die IPS Software GmbH selbst zu Zeiten des Internet-Booms kein Unternehmen, das mit gewagten Geschäftsmodellen und einem schnellen Börsengang auf sich aufmerksam gemacht hätte. Als die Spekulationsblase am Neuen Markt schließlich platzte, zählte der 1988 gegründete Software-Entwickler trotzdem zu den Leidtragenden. Die Kunden froren ihre Budgets ein, und das Unternehmen hatte mit hohen Personalkosten zu kämpfen.
Während andernorts Mitarbeiter in großem Stil entlassen wurden, schlug IPS einen anderen Weg ein. Die beiden Gesellschafter Klaus Steidl und Klaus Schlitt hielten ihren Mitarbeiterstamm zusammen, pflegten die Kundenverbindungen trotz ausbleibender Aufträge und schossen Geld aus ihrem Privatvermögen zu. Das Durchhaltevermögen hat sich bewährt: Das vergangene Jahr war mit einem Umsatz von 7 Millionen Euro das beste der Unternehmensgeschichte.
Für den gelungenen Wiederaufstieg hat IPS nun den erstmals vergebenen rheinlandpfälzischen Unternehmenspreis "Phoenix" erhalten. In der Kategorie "Comeback des Jahres" belegte der Software-Entwickler im Regionalentscheid den ersten und landesweit den zweiten Platz. Bei der Preisverleihung in den Räumen der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz sagte Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage (FDP), die ausgezeichneten Unternehmen hätten eine Vorbildfunktion. Sie zeigten, daß man auch aus der wirtschaftlichen Talsohle heraus "wie ein Phoenix aus der Asche" zu den Höhen des wirtschaftlichen Erfolgs aufsteigen könne.
Den Tiefpunkt hatte IPS Mitte 2003 erreicht. Steidl und Schlitt erinnern sich an nervenaufreibende Tage und schlaflose Nächte. "Wir versuchten Kosten zu reduzieren, strichen das Geld für Fortbildungen und Schulungen, kürzten die Provisionen", denkt Steidl zurück. Wichtig sei der Zusammenhalt unter den Gesellschaftern und mit der Belegschaft gewesen. Um Entlassungen sind Steidl und Schlitt trotzdem nicht herumgekommen: Fünf der rund 60Beschäftigen mußten gehen. Drei davon sind inzwischen wieder im Unternehmen. Im vergangenen Jahr wurde eine Niederlassung in München gegründet, nun sollen zwei Zweigstellen in Norddeutschland folgen.
Die Liste der IPS-Kunden reicht vom Mittelstand bis zur internationalen Großbank. Jüngst hat das Unternehmen eine Ausschreibung des rheinland-pfälzischen Finanzministeriums für die Entwicklung einer Internet-Plattform gewonnen, mit deren Hilfe die Finanzämter künftig arbeiten sollen. Auch die Polizei bedient sich der am Kisselberg entwickelten Lösungen. Von IPS stammt etwa die Software, mit denen die Polizeibeamten Strafanzeigen aufnehmen.
Frankfurt Allgemeine Zeitung
10-02-2006
trau.

