IT-Branche boomt - Personal fehlt
Software- und Beratungsfirmen schaffen neue Stellen, doch es mangelt an Nachwuchs - Arbeitslose sollen fit gemacht werden.
Der IT-Branche geht es gut wie lange nicht: Die Bundesregierung kündigt Fördergelder in Milliardenhöhe an, laut dem Bundesverband Informationstechnologie wächst der Geschäftszweig doppelt so stark wie die gesamte Wirtschaft in Deutschland. Das macht sich auch in Mainz bemerkbar.

Die Software-Entwickler von IPS suchen händeringend 14 qualifizierte Mitarbeiter. Im Bild von links: die Geschäftsführer Udo Foff und Klaus Steidl mit Johannes Weckerle und Monica Garcia.
MAINZ. Die Informations-Technologie (IT) birgt auch in Mainz enormes Potenzial. Im Bezirk der Arbeitsagentur Mainz sind knapp 6200 Arbeitnehmer in der Datenverarbeitung tätig; das sind 800 Stellen mehr als im Jahr 2000. Vor allem die Softwarehäuser und Dienstleister stellen verstärkt ein - oder versuchen es. Denn wie in ganz Deutschland mangelt es auch in Mainz an Fachkräften.
Das bekommt auch die Firma IPS zu spüren. Der Mainzer Software-Entwickler hat zurzeit 14 offene Stellen, die er nicht besetzen kann. Geschäftsführer Klaus Steidl klagt: "Wir haben massive Probleme, geeigneten Nachwuchs zu finden." Gute Chancen haben vor allem Bewerber mit einem abgeschlossenen Informatik-, Mathematik-, BWL- oder Ingenieursstudium. Auch jemanden für die vier bis sechs Ausbildungsplätze bei IPS zu finden, fällt schwer. Unter zehn Bewerbern ist vielleicht einer, der die nötigen Qualifikationen mitbringt, sagt Steidl.
Auch in Zukunft werden Fachkräfte wohl Mangelware sein: Trotz der rosigen Zukunftsperspektiven ist die Zahl der Informatikstudenten rückläufig. 2001 haben sich 122 Studenten am Institut für Informatik der Johannes-Gutenberg-Universität eingeschrieben, im aktuellen Semester nur noch 73 - auch weil es noch keinen Masterstudiengang gibt. Das Institut versucht verstärkt, Schulabgänger für den Studiengang zu gewinnen. Beim "Girls' Day" und bei Schnupperkursen sollen Berührungsängste abgebaut werden. Vor allem Mädchen lassen sich leicht von dem mathematiklastigen Fach abschrecken, weiß Michaela Brauburger vom Institut. Derzeit sind nur 14 Prozent der eingeschriebenen Studenten Frauen.
Die Mainzer Agentur für Arbeit versucht mit gezielten Fortbildungen, geeignete Arbeitslose IT-fit zu machen. Denn an die Informatiker, Programmierer und Datenverarbeitungskaufleute werden hohe Anforderungen gestellt, so Arbeitsmarktberater Harald Körner. Wer in einem Softwarehaus unterkommen wolle, benötige vor allem fundierte Kenntnisse in Anwendungen und Programmiersprachen wie SAP oder JAVA. Selbst frisch ausgebildete Diplom- oder Fachinformatiker verfügten oftmals nicht über das geforderte Profil.
Neben dem Gesundheitswesen, Zeitarbeit und Logistik ist es vor allem die IT-Branche, die nach Jahren des Stellenabbaus wieder für mehr Beschäftigung in Mainz sorgt. Von einem IT-Boom wie um die Jahrtausendwende würde IPS-Geschäftsführer Steidl aber noch nicht sprechen. "Das Wachstum ist ein zartes Pflänzchen - aber wenn wir das pflegen, kann es zu einem zweiten Hoch kommen."
Stephanie Mersmann
Foto: Rüdiger Mosler
Mainzer Allgemeine Zeitung
17-01-2007

